Social Entrepreneure und ihre guten Ideen
Social Entrepreneure können Lösungen für gesellschaftliche Probleme entwickeln, die mitunter länderübergreifenden Vorbildcharakter haben. So lädt der Wettbewerb „Social Entrepreneur des Jahres“, der vom Gründer des World Economic Forums und seiner Frau im Jahr 2000 initiiert wurde, seine GewinnerInnen zum jährlichen Spitzentreffen der Weltwirtschaft nach Davos ein. Social Entrepreneure in Österreich können an der Ausschreibung bislang noch nicht teilnehmen. Allerdings ist auch in Deutschland der Start der Initiative erst im Jahr 2005 erfolgt.
Dr. Andreas Heinecke gehört zu den deutschen Finalisten der erstmaligen Ausschreibung des „Social Entrepreneurs des Jahres“. Sein „Dialog im Dunkeln” soll helfen, die Kluft zwischen sehenden und blinden Menschen zu überwinden. Blinde „Guides“ führen die BesucherInnen durch abgedunkelte Räume einer Ausstellung. Gerüche, Töne und Temperaturwechsel sprechen Sinne an, die im Alltag der Sehenden kaum zum Tragen kommen. Damit entsteht ein Rollenwechsel: Die BesucherInnen werden „blind“, während sie die blinden AusstellungsführerInnen „sehend“ durch die Räume leiten. Mit vier Millionen BesucherInnen in 17 Ländern läuft „Dialog im Dunkeln“ seit 1989 als Publikumserfolg. Zudem ermöglicht die Ausstellung für Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze und Qualifizierung.
Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Angehörigen benötigen Unterstützung, wie die Social Entrepreneur-Finalistin Petra Moske am Beispiel ihrer Initiative „nestwärme e.V.“ für Familien mit schwerbehinderten Kindern zeigt. Der Verein, den sie 1999 in Trier ins Leben gerufen hat konnte bislang mehr als 7.000 betroffene Eltern beraten und über „Freizeitgutscheine“ ehrenamtliche HelferInnen vermitteln. Dank Spenden von Tupperware Deutschland sowie der Vodafone Stiftung können Angehörige, die sonst pausenlos im Einsatz sind, eine Auszeit nehmen und ihr behindertes Kind professionell betreuen lassen.
Chancen für Social Entrepreneure in Österreich, die ehrenamtliche HelferInnen in ihr „Soziales Ein-Personen-Unternehmen“ einbinden wollen, lassen Erhebungen aus dem Jahr 2000 vermuten: 75 % der erwachsenen Österreicherinnen und Österreicher sind Mitglieder von (insgesamt 104.000) Vereinen oder Verbänden, 36 % davon sind aktiv tätig. Ein Viertel der Aktiven wenden fünf bis zehn Stunden pro Monat, 20 % mehr als elf Stunden pro Monat, 8 % mehr als 20 Stunden pro Monat für freiwillige Arbeit auf. Auf eine Arbeitswoche summiert leisten Freiwillige 16,7 Millionen Stunden unbezahlte Arbeit, was knapp einer halben Million Vollzeitarbeitstellen entspricht.
Als österreichischer Social Entrepreneur ist Reinhard Bock für soziale Arbeitsmarktprojekte aktiv. Mit dem Motto „Wir bringen das zusammen“ hat er den „Verein zur Förderung Sozialer Arbeitsprojekte - sozialprojekte.com“ gegründet, dem er als Vereinsobmann vorsteht: Kern der Initiative ist eine Internetplattform für soziale Projektträger. Sie macht die Leistungen von Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen auf einen „Klick“ sichtbar: Knapp 800 soziale Einrichtungen z.B. Werkstätten für behinderte Menschen, Integrative Betriebe, Beratungsstellen für Langzeitarbeitslose etc. präsentieren dort vielseitige Angebote – von A wie Abholservice bis Z wie Zeitungsversand.
Die Plattform schafft Kontakte zwischen Wirtschaftstreibenden und sozialen DienstleisterInnen. Neben der Präsentations- und Kontaktmöglichkeit eröffnet der Verein vor allem den Erfahrungsaustausch, der Vorbehalte gegenüber der Zusammenarbeit mit einem sozialen Arbeitsmarktprojekt abbauen kann.
Quellen: Schwab Foundation for Social Entrepreneurship www.dialog-im-dunkeln.de www.nestwaerme.de www.sozialprojekte.com Weitere Artikel zum Thema:
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