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Wissen - EPU in Österreich und EU

Unterschiede zwischen EPU und Angestellten

Wie sich Ein-Personen-Unternehmen im Unterschied zu Angestellten sehen, hat das EU-Projekt „Self-Employment“ 2006 unter österreichischen EPU erhoben:

EPU Angestellte(r)
Muss sich juristisch besser auskennen 87 % 2 %
Trägt mehr Verantwortung 85 % 3 %
Trägt höhere finanzielle Risiken 82 % 3 %
Muss länger arbeiten 78 % 8 %
Zahlt mehr Steuern 63 % 23 %
Genießt mehr gesellschaftliches Ansehen 56 % 26 %
Verdient mehr Geld 42 % 41 %

Beim Einkommen schätzen EPU, wie die obige Tabelle zeigt, ihre Situation verglichen mit Angestellten als ausgewogen ein. Allerdings lassen weitere Erhebungen des EU-Projekts „Self-Employment“ erkennen, dass unter den EPU, deren Einkommensituation „nicht wirklich“ bzw. „gar nicht“ ausreichend zum Lebensunterhalt beiträgt, 52 % zwischen 41 und 60 sowie 45 % über 60 Wochenstunden arbeiten.

EPU tragen zudem das Risiko eines negativen Einkommens, was eine im Arbeitnehmerverhältnis unbekannte Dimension darstellt: Arbeitszeit ist für EPU steuerlich kein Absetzposten. Während Angestellten Gehalt ohne Gewinnabzug zur Verfügung steht, besitzt ein(e) Selbständige kein Anrecht auf Entlohnung der Arbeitszeit und kennt die tatsächlichen Einkunftsverhältnisse oft erst nach der Steuererklärung im Folgejahr.

Positive und negative Unterscheidungen gegenüber Angestellten, zeigen einige Auszüge der EPU-Befragung aus der offenen Antwortrubrik:

  • „Starke Einkommensschwankungen, keine Hilfe falls ein Kunde nicht zahlen will/kann, oder bei schlechter Auftragslage“
  • „Mehr persönliche Freiheiten“ - „Bessere Zeiteinteilung“
  • „Angestellte haben definierte Zuständigkeiten - bin für "alles" zuständig, gleichzeitig.“
  • „Muss für Urlaub doppelt bezahlen: Einmal für die Urlaubsreise und einmal entgeht in der Urlaubszeit auch der Verdienst“ (Anm. Angestellte werden für Nicht-Anwesenheit in der Urlaubszeit doppelt entlohnt)
  • „Keine Krisensicherung“ (Anm. z. B. auch bei Krankheit, Unfall etc. relevant)

Wieviel verdienen die Ein – Personen - Unternehmen wirklich? Ist der Sprung in die Selbstständigkeit eine Notfallreaktion, oder ein Wunsch, den sich ein/e in die ökonomische „Feiheit“ Entlassene/r erfüllt hat?

Wer sind die neuen Selbstständigen? Typischerweise ist der Personenkreis und die Branchen, in denen gearbeitet wird, sehr heterogen, daher ist auch die Einkommensituation der neuen Selbstständigen nur schwer zu beurteilen. Viele jedoch beschreiben sie als prekär, es fehlen soziale Sicherungsnetze, und dadurch wird Abhängigkeit von Kunden sowie der Auftragslage forciert.

Doch es gibt eine beträchtliche Anzahl an gemeinsamen Faktoren: Laut einer repräsentativen Studie des BMWA an 172 Personen führen zu mehr als 83,3 % die neuen Selbstständigen ihre Tätigkeit als Einzelunternehmen ohne Beschäftigte aus, somit kann die Situation der neuen Selbstständigen als Spiegel für die Einkommensituation der EPU im Allgemeinen verwendet werden.

Hohe Flexibilität, lange Arbeitszeiten und unregelmäßige Einkommensströme prägen das Bild. Das Bildungsniveau ist ebenfalls ein einender Faktor: Von den 22.686 neuen Selbstständigen besaßen 48,8 % einen Hochschulabschluss, und 62,4 % waren in höheren bis hochqualifizierten Tätigkeiten aktiv.

Wie leben die Neuen Selbstständigen? Viele der neuen Selbstständigen geben an, durch berufliche Notwendigkeit in die Selbstständigkeit getrieben worden zu sein. Natürlich stellt sich in dieser Situation die Frage, inwiefern die Tätigkeit als Ein – Personen – Unternehmen für den Lebenserhalt ausreicht. Laut oben genannter Sozialstudie des BMWA befanden sich ca. 67,9 % der Neuen Selbstständigen in einem Umsatzbereich von jährlich 7.500 bis 60.000 €, also zwischen 625 und 5000 €.

Frauen erwirtschaften dabei häufiger einen Umsatz unter 7500€, Männer häufig Umsätze über 60.000€. Damit ist wieder bestätigt, dass die wirtschaftliche Besserstellung des männlichen Geschlechts (ca. 65 % Anteil an den neuen Selbstständigen) noch vorhanden ist, auch wenn sich das Niveau langsam anzugleichen scheint. Natürlich ist der Umsatz auch stark davon abhängig, ob das EPU als Haupt- bzw. Nebenerwerbsquelle dient.

Rechnet man alle Erwerbsquellen mit ein, aus Haupt- und Nebenerwerb, so ergibt sich, dass 16,9 % der neuen Selbstständigen, bzw. ein Sechstel, mit einem Pro – Kopf Einkommen leben müssen, das den Schwellenwert zur Armutsgrenze von 800€ im Monat unterschreitet. Damit liegt diese Berufsgruppe deutlich über dem österreichischen Durchschnittsniveau unter der Armutsgrenze von ca. 11%.

Handlungsbedarf: Die aus diesen Studien hervorgehenden Ergebnisse weisen auf einen erhöhten Förderbedarf für Neue Selbstständige hin.

Der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfond (WAFF) arbeitet bereits gezielt Maßnahmen aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der 40.000 EPU in Wien zu erhöhen. Aufgrund der steigenden Zahlen von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, werden Maßnahmen dieser Art wichtiger, um soziale Ausgewogenheit in Österreich zu garantieren und die Wettbewerbsfähigkeit der EPU zu erhalten.

Vorteile und Nachteile dieser neuen Beschäftigungsformen scheinen sich auf Basis der Befragungen die Waage zu halten, jedoch gibt der Großteil der Befragten an, keine alternative Beschäftigung zum Ein – Personen – Unternehmen zu suchen. Es liegt nun an den Organen des Staates und der Wirtschaft, das Potential dieser neuen Beschäftigungsformen zu heben und zu entwickeln.

Quellen und weiterführende Information: Forschungsbericht zu Neuen Selbstständigen in Österreich

Ein Artikel des Wiener ArbeitnehmerInnenfonds zu Erwerbsformen

weitere Daten: Statistik Austria zu Einkommen und Verdiensten in Österreich

Daten für Deutschland: Statistische Bundesamt

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Entrepreneurship Education in Österreich und der EU

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