Krise, Scheitern, Konkurs
Insgesamt gibt es in Österreich nach neuesten Zahlen über 300.000 überschuldete Haushalte. Das Risiko der gescheiterten Selbständigkeit, rangiert dabei hinten der Posten Einkommensverschlechterung (21,9 %) und Schwierigkeiten im Umgang mit Geld/Konsumverhalten (15,3 %) mit 14,5 % an dritter Stelle. Das schlägt sich auch in den neuesten Zahlen nieder: 3.100 Verfahren zur Privatinsolvenz wurden im ersten Halbjahr 2006 eröffnet, das bedeutet einen Anstieg um 18 % zum Vorjahr.
Bei den Unternehmen scheint sich die Lage ein wenig zu entspannen: im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres sanken die Insolvenzen um 5,6 %, alles in allem wird 2006 mit 6.900 Insolvenzen gerechnet, also um etwa 150 weniger als 2005. Die Korrelation zwischen Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist dabei sehr hoch: nach Angaben des Kreditschutzverbandes (KSV) enden jedes Jahr ca. 2.500 Firmeninsolvenzen in der Privatinsolvenz.
Obwohl sich die Zahlen also zumindest im Sektor der Unternehmen leicht zu bessern scheinen, liegt Österreich im Bereich Insolvenzen in Westeuropa an einer negativen Spitzenposition (quelle?): mit einer Insolvenzrate von 1,8 % befindet sich Österreich vor allen anderen westeuropäischen Länder, den zweiten Platz teilen sich Deutschland und Frankreich mit 1,4 %. Zwar gibt es in Österreich mittlerweile Tendenzen zu einer Besserung der Lage (in den letzten beiden Jahren mehr Unternehmensgründungen und im Vergleich dazu weniger Konkurse), weiterhin jedoch bleibt die Insolvenz ein großes volkswirtschaftliches Problem.
Der Großteil aller Insolvenzen sind Einzelunternehmen, von denen, gemessen an der Anzahl der Unternehmen, ein Großteil EPU sind. Man fragt sich natürlich nach den Gründen für dieses zahlreiche Scheitern. 2005 untersuchte dazu das Wirtschaftswissenschaftliche Zentrum der Schweiz unter der Leitung von Veronika Augertner das Scheitern von Jungunternehmen. Demnach gab es folgende Gründe für den fehlenden Erfolg: Mangel an sinnvoller Segmentierung des Marktes und darauf aufbauende segmentspezifischer Bearbeitung der Kunden, bei der Produktgestaltung: zuwenig vom Markt her gedacht, bei Kommunikation und Werbung: keine integrierten, zielgerichteten oder spezifischen Werbekampagnen, sowie fehlender Marktüberblick; oft wird unnötig tief offeriert. Oft wurden Zeitfaktoren und der Finanzbedarf unterschätzt, als prekär erweist sich das Timing bei der Kundenbetreuung.
Infolge dieser beunruhigenden Daten hat sich auch die EU schon seit längerem dieser Problemstellung angenommen. Der Flash Eurobarometer aus 2004 hatte gezeigt, dass viele Europäer Scheitern als Stigmatisierung betrachten und sich aus diesem Grund oft nicht an eine Unternehmensgründung wagen. Um dem entgegenzuwirken, fand am 28.06.2006 in Brüssel eine Konferenz zum Thema Insolvenz und Restrukturierung nach dem Konkurs statt. Auf Basis einer umfangreichen Studie zu dem genannten Thema werden zahlreiche Umstrukturierungsmaßnahmen ins Auge gefasst, die unter der im Link angegebenen Adresse nachgelesen werden können.
Informationen und Quellen: KSV, Insolvenzstatistik Erstes Halbjahr 2006. 7. August 2006 Veronika Aegerter, Wie Jungunternehmen „scheitern“ 2005. 2. August 2006 Informationen der EU zum Thema Scheitern und neu starten Der Innovations – Report: Berichte über Insolvenzen 2005 in Österreich Unternehmer – in – Not.at: Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2006: Weitere Artikel zum Thema:
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