EPU und die Bedrohung durch Armut
Mit einem Anteil von 29,5 % Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2003 (Quelle: EUROSTAT) liegt Österreich über dem EU Durchschnitt von 28,0 %, gilt also als sozial orientierter Wohlfahrtsstaat. Wie gut deckt dieses System die Bedürfnisse von EPU ab, wurde es doch auf Arbeitsverhältnisse zugeschnitten wurde, in denen atypische Beschäftigung sowie EPU noch eher seltene Phänomene waren?
Atypische Beschäftigung und mit ihnen EPU genießen im österreichischen Sozialsystem vielfach nicht nur geringeren und diskontinuierlichen, sondern auch selektiven sozialen Schutz. Ein-Personen-Unternehmen im Besonderen sind traditionellen Beschäftigungsverhältnissen gegenüber in vielen Belangen noch benachteiligt, die sich durch die Form ihrer Beschäftigung ergeben und nicht durch ein flexibles Sozialsystem abgefedert werden:
- Längere Krankheiten sowie Spitalsaufenthalte können zu einer Abwanderung von Kunden führen und sich bis zur existenziellen Krise ausweiten
- Schwangerschaft und Kinderbetreuung sind nur schwer mit dem Beruf vereinbar (wer ersetzt die/den „einzige/n“ MitarbeiterIn?)
- Nach dem Konkurs kann es zur Existenbedrohung kommen, da es in Österreich keine speziellen Arbeitslosenversicherungsmodelle für EPU gibt
- Die Pensionsicherung über eine Mindestpension hinaus ist für viele EPU nicht gegeben
Als Schwelle für Armutgefährdung wird 60 % des Median–Pro–Kopf-Einkommens angegeben, also jenes Einkommen, das die Grenze zwischen den 50 reichsten und den 50 ärmsten Prozent bildet. In Österreich liegt dieses bei 848 € monatlich, und rund 1.030.000 Menschen, bzw. 13 % der Bevölkerung, fallen unter diese Schwelle. Erwerbstätigkeit ist dabei eindeutig der sicherste Schutz vor Armut, der Wert für Armutsgefährdung liegt bei Erwerbstätigen bei nur 8 %, bei nicht im Berufsleben stehenden Personen ist diese Quote weit höher. Jedoch liegt die Quote der Working poor, also derer, die arbeiten und trotzdem durch Armut gefährdet sind, in Österreich bei 250.000 Personen, ist also keinesfalls zu vernachlässigen. Von den 454.000 In Österreich selbstständig Beschäftigten im Speziellen sind 14 % von Armut bedroht, im Vergleich zu 11 % bei Hilfsarbeitern (Quelle: Bericht zur Armut in Österreich der Statistik Austria).
Zur Verbesserung der aktuellen Lage gibt es mehrere Ansätze. Die Grünen fordern beispielsweise eine bedarfsorientierte Grundsicherung, die auf die Bedürfnisse von EPU Rücksicht nimmt. Dafür gibt es in der Ökonomie viele Modelle, die teilweise vom traditionellen Sozialstaat wie wir ihn kennen abweichen. Darunter fallen sowohl ein im traditionellen Sozialstaat verankerbares Mindestlohnmodell als auch ein eher umwälzendes Modell einer „Negativen Einkommenssteuer“, das die staatliche Lebensstandardsicherung durch ein garantiertes Grundeinkommen ersetzen will. Genaue Informationen dazu können über die Linksammlung im Artikel zu Grundsicherung auf der Webpage der Armutssicherung Österreichs eingeholt werden.
Quellen und weitere Infos: Eine Tabelle zur Entwicklung der Sozialquote in Österreich 1980 – 2003 Information des Bundeskanzleramts über Ausbau des Sozialnetzes Sozialausgaben in Europa im Vergleich Die Armutskonferenz – Netzwerk zur Bekämpfung der Armut in Österreich und Europa – Artikel zur Möglichkeit der Grundsicherung im Erwerbsalter Bericht der Statistik Austria zu Armut in Österreich Die Forderungen der Grünen zur sozialen Absicherung von EPU Eine Studie von Emmerich Tálos und Marcel Fink zum österr. Wohlfahrtsstaat Weitere Artikel zum Thema:
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