Gesundheitliche Mehrbelastung
Ein-Personen-Unternehmer sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie müssen nicht nur multifunktional tätig sein, sondern sind mit aller Verantwortung auch allein gelassen. Sie sind für Erfolg und Verderben ihres Unternehmens zuständig und finden von offiziellen Seiten wenig Unterstützung. Zusätzlich fehlt oft das Verständnis im Bekanntenkreis, die durch Anstellung in traditionellen Arbeitsverhältnissen keine Vorstellung von den Problemen des Selbständigen haben.
Wirtschaftlicher Stress, Entscheidungen unter Unsicherheit, Verantwortungsdruck, überlange Arbeitszeiten, Erholungsunfähigkeit, Arbeit trotz Krankheit, schlicht eine „gestörte work life balance“ sind Schlagworte, die die große Belastung von Selbständigen umreißen. Der Gedanke drängt sich auf, dass Menschen, die es sich nicht leisten können, krank zu sein, langfristige gesundheitliche Schäden davon tragen müssen.
Trotz dieser naheliegenden Überlegungen sind die Gesundheitsgefährdungen bei Selbständigen nicht annähernd so gut untersucht, wie die der Angestellten. Trotz hohem Gesundheitsrisiko stehen ihnen weniger Möglichkeiten zu Präventionsmaßnahmen zur Verfügung. Der EU Rat hat dies 2003 erkannt und eine Empfehlung an die Mitgliedstaaten verfasst, die dazu auffordert, bis 2007 Maßnahmen für besonders gefährdete Selbständige zu entwickeln. In Deutschland arbeitet die Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) an einer Analyse und der Entwicklung einer Maßnahmenentwicklung um diese Lücke zu schließen.
In Österreich waren laut einer vom BMWA in Auftrag gegebenen Studie waren im Jahr 2003 22.690 Neue Selbständige verzeichnet, von denen 81,8 % ohne Angestellte tätig waren. Hier sind also all jene Selbständige, die mit Gewerbeschein arbeiten, nicht mitgezählt. Die Studie zeigt, dass die Arbeitsbelastung Neuer Selbständiger deutlich höher ist als bei Personen in Normalarbeitsverhältnissen. Das Arbeitsvolumen gewerblich selbständiger Personen ist sogar noch höher als das Neuer Selbständige.
Ist der wirtschaftliche Druck zu groß, werden die Vorteile des Selbständig-Seins, wie etwa freie Zeiteinteilung, zur Gefahr. An dieser Stelle ist es wichtig, dass Selbständige gezielte Unterstützung vom Staat bekommen, wie etwa Beratungen und soziale Hilfestellungen.
Informationen und Quellen: Forschungsbericht „Neue Selbständige in Österreich“, in Auftrag des BMWA, erschienen 2005 Projektflyer „Selbständig & gesund“ Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs), Juli 2006 Weitere Artikel zum Thema:
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