Was wir über EPU wissen – Europäische Union
Etwa 60 % der europäischen Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen. Das zeigt ein im Jahr 2005 vorgelegter Bericht einer Expertengruppe der Europäischen Kommission, Generaldirektion Unternehmen. Die EinzelunternehmerInnen stellen fast 9 % aller Beschäftigten und rund 4 % der Bevölkerung Europas dar. Vorwiegend tätig sind sie in Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Personal- und Unternehmensdienstleistungen, Handel und Verkehr. In der Regel selbstständig, sind diese EinzelunternehmerInnen teils aber auch als Einpersonengesellschaften konstituiert.
Statistiken zu Selbstständigen sind zwar detaillierter als Unternehmensstatistiken, beinhalten jedoch keine EPU. Aus der europäischen Arbeitsmarkterhebung geht hervor, ob Selbstständige einen (oder mehrere) Mitarbeiter beschäftigen oder alleine tätig sind. Im EU-Durchschnitt haben weniger als ein Drittel der Selbstständigen MitarbeiterInnen.
Die Anzahl der EPU kann nicht genau beziffert werden, wie auch die Expertengruppe der EU-Kommission feststellt. Grund dafür: Unternehmensstatistiken unterscheiden nur zwischen Mikrounternehmen (weniger als 10 Mitarbeitern, aber nicht 0 MitarbeiterIn explizit), kleinen Unternehmen (10 bis 49 Mitarbeiter), mittleren Unternehmen (50 bis 250 Mitarbeiter) und Großunternehmen (mehr als 250 Mitarbeiter). Im Durchschnitt sind etwa 99 % aller Unternehmen in Europa kleine und mittlere Unternehmen, und etwa 92 % sind Mikrounternehmen.
Ob Förderungen für Kleinstbetriebe maßgeschneidert sind, hat 2002 eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission, GD Unternehmen, untersucht. Dabei wurden EU-weit bestehende 335 Unterstützungsprogramme für Kleinst- und Kleinbetriebe analysiert und mit den spezifischen Bedürfnissen von Kleinst- und Kleinbetrieben anhand einer europaweiten Unternehmensbefragung mit 1.200 Mikrounternehmen, Kleinbetrieben und EinzelunternehmerInnen abgeglichen:
- Drei Viertel der Unternehmen fehlen Informationen über angebotene Unterstützung. Der Informationsgrad über Förderungen nimmt in ähnlicher Weise ab, wie sich die jeweiligen Angebote an mittlere, kleine und Kleinstunternehmen richten.
- Die Mikrobetriebe möchten direkt mit Informationen über Förderungen kontaktiert oder auch persönlich besucht werden. Diesem Wunsch entsprechen die untersuchten Leistungsanbieter bislang kaum. Sie sind hingegen meistens zentralisiert und regional oder lokal schwer erreichbar.
- Unterstützungsbedarf besteht bei Kleinstunternehmen vor allem in Finanzfragen, darüber hinaus in den Bereichen Buchhaltung und Recht. (marketing?) Mehr Förderungsbedarf im Bereich Innovation, Management oder persönliche Qualifikationen konnte hingegen nicht festgestellt werden.
- Obwohl die Mehrheit der Mikrobetriebe mit beanspruchten Beratungsleistungen zufrieden sind, wird den BeraterInnen nur wenig Erfahrung und Wissen aus dem eigenen Wirtschaftssegment zugesprochen.
Maßnahmen zur Unterstützung des weiblichen Unternehmertums hat eine ebenfalls von der GD Unternehmen in Auftrag gegebene Studie untersucht und 2003 vorgestellt. In jedem untersuchten EU-Land wurden zwischen einer und 19 Maßnahmen für die Förderung von Frauen als Unternehmerinnen identifiziert, eine Gesamtzahl von 132 für die Studie. Klassifiziert nach Typen fielen 110 Maßnahmen auf Unterstützungsleistungen, 47 auf Institutionen, 39 auf Informationsbroschüren, 36 auf elektronische Plattformen und 29 auf regelmäßige Veranstaltungen. Zusammenfassend gelangt die Erhebung zu folgenden Kernaussagen:
- Neben Business Skills wie Buchhaltung und Marketing sollte auch das Training zur Stärkung des Selbstbewusstseins von angehenden Unternehmerinnen ausgebaut werden.
- Networking ist entscheidend für Erfahrungsaustausch und Inspiration. Es ermutigt angehende Unternehmerinnen zur Verwirklichung unternehmerischer Aktivitäten.
- Unternehmerisches Denken sollte in der Schulzeit beginnen. Es sollte vor allem Mädchen darin bestärken, unternehmerisch tätig zu werden und ihren Fähigkeiten Vertrauen zu schenken.
- Der Zugang zu (Mikro-)Krediten sollte ein Schlüsselelement der Gründerinnenförderung sein.
Selbständigkeit und Unternehmertum als zweite Karriere für abhängige Erwerbstätige wurde im Auftrag der GD Unternehmen untersucht und 2004 veröffentlicht:
- Der untersuchte Zeitraum 1988 bis 2001 ist geprägt vom Stellenabbau großer Unternehmen bei einem gleichzeitig signifikanten Teil der wirtschaftlichen Entwicklung, der in der EU durch Selbständige geleistet wurde.
- Im KMU-Sektor wurden die meisten Jobs durch Mikrounternehmen (0-9 Angestellte) geschaffen.
- Mikrounternehmen weisen auf hohe Dynamik, Flexibilität und Innovation und besetzen in vielen Fällen Marktlücken.
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