Was wir noch über PU wissen sollten
Dem Bedarf an weiterführendem Studienmaterial über Ein-Personen-Unternehmen geht zunächst eine grundlegende Notwendigkeit voraus: Als Mehrzahl (rund 60 %) aller Unternehmen in der Europäischen Union müssten Ein-Personen-Unternehmen eine eigene Rubrik in der statistischen Datenerfassung in Österreich und der EU darstellen. Einige strukturelle und inhaltliche Vorschläge für Forschungs- und Studiendesigns in Bezug auf Ein-Personen-Unternehmen sind im Folgenden genannt:
- Eine getrennte Erfassung und damit ermöglichte Gegenüberstellung folgender Gruppen von Selbständigen ohne MitarbeiterInnen:
- Ein-Personen-Unternehmen, die mit der Gründung erstmals in die Erwerbstätigkeit eintreten,
- Selbständige, die sich nach bestimmten Arbeitserfahrungen und aus akuter Arbeitslosigkeit heraus für eine Unternehmensgründung entschieden haben sowie
- GründerInnen, die aus abhängigen Beschäftigungsverhältnissen in die Selbständigkeit wechseln (wollen).
- Entsprechende Ergebnisse zeigen den wirtschaftlichen und persönlichen Hintergrund der Selbständigen auf. Dieses kann unmittelbar in die zielgruppenspezifische Gestaltung von Unterstützungsprogrammen für Ein-Personen-Unternehmen einfließen.
- Untersuchungen der Gruppe der FreiberuflerInnen, die sich abseits von klassischen Zuordnungen wie z. B. RechtsanwältIn, ArchitektIn etc. bewegt. Vor dem Hintergrund innovativer Dienstleistungen und Nischenangebote durch spezialisierte Ein-Personen-Unternehmen, könnten Untersuchungen aufzeigen, wie die gesetzlichen Bestimmungen (z. B. Haftungsrisiko bei Aufträgen durch Kooperationen) die tatsächliche Marktchancen für solche Personen beeinflussen und diese gegebenenfalls verbessert werden können.
- Phasen-orientierte Analyse von Unterstützungsleistungen: Informationsbedarf in der Vorgründungsphase, Hilfestellungen während der Gründung und prozessbegleitender Beratungsbedarf in den Jahren der Nachgründungsphase (Umsetzung und Verbesserung von Buchhaltung, Marketing etc.). Dabei könnte in Betracht gezogen werden, wie und welche Praxis-ExpertInnen in jeweilige Beratungsleistungen eingebunden werden.
- Praktische Orientierung für EPU zu ihrem wirtschaftlichen Marktwert. Grundlegende Fragestellungen wie: „Was kostet mich die Selbständigkeit?“ „Was kann ich AuftraggeberInnen / KundInnen für eine Arbeitsstunde verrechnen?“ „Was muss ich verlangen?“. Im Rahmen solcher Untersuchungen könnten Fallbeispiele (best practice) erfolgen, die die persönliche Lebenssituation der/des Selbständigen sowie die Besonderheiten bezüglich Branchen und Tätigkeiten mit abbilden.
- Ergänzende Untersuchungen zur Situation von jungen Frauen. Beispielsweise junge kinderlose Frauen und ihre Motivation oder Hindernisse für berufliche Selbständigkeit bei der eigenen Lebensplanung. Eine umfassende Familiensituation könnte auch den „modernen Vater“ abbilden, der als EPU zu Hause aus arbeitet und stärker in die familiäre Situation eingebunden ist.
- Erhebungen über Ein-Personen-Unternehmen in MigrantInnengruppen. Z. B. städtische Ballungsräume, wo die Nahversorgung mit Lebensmitteln, Handel, Handwerk und Dienstleistungen eng an die wirtschaftliche Tätigkeit von MigrantInnen gekoppelt ist. Erfahrungen und mögliche Barrieren von MigrantInnen im Umgang mit Behörden. Beratung und Training in mehreren Sprachen im Sinne nachhaltiger Wirtschaftsförderung und sozialer Integration.
- Finanzielle Komponenten eines Ein-Personen-Unternehmens. Konzepte von Grundsicherung vs. Grundeinkommen. Konzeption von Mikrokrediten. Eine Analyse der Angebotsseite mit ihren finanziellen Förderprogrammen sowie des Bedarfs seitens EPU könnte finanzpolitische Vorschläge untermauern.
- Konjunktur und Folgen des Outsourcing im Zusammenhang mit der gesellschaftspolitisch geforderten Corporate Social Responsibility (CSR).
- Untersuchungen zu Wachstum und Wertschöpfung innerhalb des EPU. Wertschöpfung von EPU für nachgelagerte Betriebe und Branchen.
- Untersuchungen zu geeigneten EPU-Partnerschaften, Netzwerken sowie Auftrags- und projektbezogenen Kooperationsplattformen.
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